Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Verstanstaltungshinweise März

Folgend möchten wir euch auf ein paar Veranstaltung außerhalb Siegens im März hinweisen.

#1
Für den 15. März hat die Neonazipartei „Die Rechte“ einen Aufmarsch in Koblenz angekündigt. Hintergrund ist der andauernde Prozess gegen das „Aktionbüro Mittelrhein“, in dem auch gegen einen Siegener Neonazi ermittelt wurde. In Koblenz hat sich ein Bündnis gegründet und eine Demonstration gegen den Naziaufmarsch angemeldet. Der DGB Siegen hat einen Bus organisiert, mit dem man am 15. aus Siegen nach Koblenz reisen kann:

#2
Antirassistische Demonstration in Duisburg

In Münster wollen am 22. März fundamentalisitsche ChristInnen und andere fiese Leute „gegen Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, Ver­hü­tung, Sex vor der Ehe, Ho­mo­se­xua­li­tät und wo­ge­gen Men­schen fun­da­men­ta­lis­ti­scher Aus­rich­tung sonst noch so sind“ demonstrieren. Wie in den letzten Jahren auch veranstaltet die Initiative „Gegen 1000 Kreuze“ eine Gegendemonstration und will feministische und emanzipatorische Inhalte auf die Straße tragen. Mehr dazu findet Ihr auf ihrem Blog.

#3
Antirassistische Demonstration in Duisburg

Am 29. März wird eine Antifa-Demo in Dortmund stattfinden:

In die­sem Jahr jährt sich der Mord an Tho­mas Schulz durch den Neo­na­zi Sven Kah­lin zum neun­ten Mal. Wir neh­men dies zum An­lass, auch die­ses Mal wie­der gegen rech­te Ge­walt zu de­mons­trie­ren und un­se­re So­li­da­ri­tät mit den Op­fern jener Ge­walt zum Aus­druck zu brin­gen. Dabei wol­len wir uns je­doch nicht nur auf Tho­mas Schulz und den in Dort­mund vom NSU er­mor­de­ten Meh­met Kubaşık be­schrän­ken, son­dern auch gegen die Ver­hält­nis­se, die diese Ge­walt erst er­mög­li­chen, de­mons­trie­ren. Nach dem Ver­bot des »Na­tio­na­len Wi­der­stands Dort­mund« (NWDO) durch das NRW-​In­nen­mi­nis­te­ri­um im Au­gust 2012 folg­te wenig spä­ter die Re­or­ga­ni­sa­ti­on der hie­si­gen Szene in der Par­tei »Die Rech­te«. Es hat sich daher ge­zeigt, dass Ver­bo­te nicht viel hel­fen, um Nazis zu be­kämp­fen. Auch wenn ge­walt­tä­ti­ge Über­grif­fe durch Nazis nicht mehr wie noch vor ei­ni­gen Jah­ren trau­ri­ge Re­gel­mä­ßig­keit sind, exis­tie­ren die Na­zi­struk­tu­ren in Dort­mund immer noch. Un­se­re De­mons­tra­ti­on wird daher nach Dorst­feld füh­ren, wo die Nazis auch als Par­tei­mit­glie­der wei­ter­hin woh­nen. Wir wol­len diese trü­ge­ri­sche Ruhe stö­ren!

Dorst­feld ist immer einen Be­such wert!
Gegen Na­zi­struk­tu­ren und rech­te Ge­walt!

29. März 2014 | 14.​00 Uhr | Dort­mund HBF (Vor­platz)

Antirassistische Demonstration in Duisburg

Veranstaltungshinweise für Samstag den 09.11.13

An dieser Stelle möchten wir euch auf zwei Veranstaltungen am kommende Samstag den 09.11.13 hinweisen. In beiden Fällen geht es darum, sich solidarisch mit Geflüchteten in Deutschland zu zeigen und gleichzeitig rassistischen Ressentiments eine Absage zu erteilen.

Einmal geht um eine Kundgebung im Siegener Umland: Die „AG Solidarität mit Geflüchteten! Rassismus stoppen“ ruft zur Kundgebung in Burbach auf. Den Text gibt es hier auch als Druckversion!

Soli-Kundgebung der „AG Solidarität mit Geflüchteten! Rassismus stoppen“

09. November 2013, 11.00 Uhr – 13.00 Uhr
in 57299 Burbach auf dem Marktplatz (auf dem Parkplatz vor REWE)

Mit Redebeiträgen von
• Werner Leis (DGB Südwestfalen)
• Britta Tillmann (Geflüchtetenhilfe Siegen)

Die Kundgebung ist mit einer Sammelaktion verbunden! Winterbekleidung und Spielsachen für die Asylsuchenden können vor Ort abgegeben werden. Wir leiten diese an die zuständige Stelle weiter.

Aufruf

Flucht ist kein Verbrechen! Menschenrechte für ALLE!

In Solidarität mit den Geflüchteten in Siegen-Wittgenstein stehen wir auf und kämpfen für gleiche Rechte und gegen rassistische Hetze!

Es reicht mit der rassistischen Hetze gegen Geflüchtete!

Auch wir schließen uns aus aktuellem Anlass den bundesdeutschen Protesten gegen rassistische Feindseligkeiten und für eine gleichberechtigte Rechtsstellung von Geflüchteten an.

Nach monatelanger, zumeist mit Todesangst und Entbehrungen verbundener Flucht vor Hunger, Krieg und Armut – auch ausgelöst durch wirtschaftliche Ausbeutung und Waffenlieferungen durch Länder wie der Bundesrepublik Deutschland – erwartet Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nur Trostlosigkeit und Anfeindungen. Als Menschen zweiter Klasse werden Asylbewerber*innen und Geduldeten in unserer Verfassung verbriefte Menschenrechte – z.B. durch Einschränkungen ihrer Freizügigkeit und Berufsfreiheit – verweigert. Und mehr noch:

Sie werden mit rassistischen Ressentiments konfrontiert, die aus Angst vor einem Verlust an wirtschaftlichem Wohlstand sowie menschenverachtenden Einstellungen resultieren. Forciert durch die journalistische Hetze in Form von unausgewogener Berichterstattung schwelt ein fremdenfeindliches Klima, das in der Vergangenheit bereits viel zu viele Opfer gefordert hat.

Wir treten dem entschieden entgegen und verurteilen den Bericht der Siegener Zeitung vom 30.10.2013 über Straftaten Geflüchteter. Die Stigmatisierung und Kriminalisierung der in Burbach untergebrachten Geflüchteten wegen (derzeit gerichtlich noch nicht überprüften) Fehlverhaltens Einzelner wird von uns nicht akzeptiert. Denn undifferenzierte Berichterstattung gegen eine bestimmte Gruppe führt zur Entstehung und Forcierung von rassistischen Einstellungen.

Wir fordern
• die bundesweite Gleichstellung von Geflüchteten mit Blick auf die allgemeingültigen Menschenrechte,
• die verbesserte Grundversorgung von Geflüchteten,

• einen respektvollen Umgang zwischen Geflüchteten und Bürger*innen sowie
• den Stopp rassistischer, stigmatisierender Berichterstattung

Kommt zahlreich!

In Duisburg ist eine antirassistische Demonstrantion anlässlich zwei geplanter Kundgebungen von ProNRW geplant. Zwar wurden die Kundgebungen mittlerweile verboten, zur Demo wird aber weiterhin mobilisiert. Mehr Infos gibt’s auf dem Blog des Bündnisses „Erinnern heißt Handeln“:

Antirassistische Demonstration in Duisburg

Wir sehen uns am Samstag – ob in Burbach oder Duisburg!

Vortrag: „Flora Tristan – Der Traum vom feministischen Sozialismus“ mit Florence Hervé

Flora Tristan (1803-1844) – Der Traum vom feministischen Sozialismus

„Ein sozialistischer und anarchistischer Blaustrumpf“, urteilte ihr Enkel, der Maler Paul Gauguin, der Flora Tristan gar nicht gekannt hat. Die französisch-peruanische Autorin, Journalistin, Rednerin, Kulturvermittlerin und Internationalistin, die sich von einer Paria zu einer politischen Propagandistin entwickelte, begründete theoretisch die Vereinigung von Feminismus und Sozialismus.
Sie erklärte fünf Jahre vor Marx und Engels, dass sich die Arbeiter nur selbst befreien können, und trat für die Befreiung der Frau ein.
Flora Tristan war auch die Autorin von spannenden Werken wie „Die Notwendigkeit, Ausländerinnen gut aufzunehmen“, „Fahrten einer Paria“ und „Tour de France“ – damals Bestseller – heute noch ein Lesegenuss, und in ihrer Thematik immer noch aktuell.

Ein Vortrag mit Dr. Florence Hervé: Journalistin, Dozentin, Autorin und Herausgeberin des Buches „Flora Tristan oder: Der Traum vom feministischen Sozialismus“ (2013)

Am Donnerstag, den 14.11.2013 um 19.00 Uhr im VEB Siegen.

Eine gemeinsame Veranstaltung der LiLi – Linke Liste Siegen, des autonomen Referats für kritische Wissenschaft und politische Bildung – Links Im Dialog, des autonomen Frauen- und Lesbenreferats – WoMen und des intellektuellen FotzenClubs.

Literatur zur Einführung in die Kritik des Antisemitismus

Die „Intros“ sind vorbei aber wir haben noch eine letzte Literaturliste für euch. Zur Vertiefung in die Kritik des Antisemitismus:

Zu Beginn zwei Texte von Olaf Kistenmacher, die wichtige Elemente (Ausführungen zum Schuldabwehr-Antisemitismus und zu antisemitischen Stereotypen in der KPD zur Zeit der Weimarer Republik) aus seinem Vortrag enthalten:

  • Olaf Kistenmacher: Schuldabwehr als Motiv für Israel-Feindschaft in der politischen Linken?, in: Associazione delle talpe/Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen (Hg.): Maulwurfsarbeit II. Aufklärung und Debatte, Kritik und Subversion, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung 2012, S. 51-60 (Hier als PDF)
  • Olaf Kistenmacher: Klassenkämpfer wider Willen. Die KPD und der Antisemitismus in der Weimarer Republik, in: Jungle World 28, 14. Juli 2011 (Artikel in der Jungle World)

    Weiterführende Literatur

  • Adorno, Theodor W. (1997): Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute, in: Ders.: Vermischte Schriften, Band 20.I, Frankfurt am Main, S. 360-383.
  • Henryk M. Broder: Der ewige Antisemit. Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls [1986], Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag 2006, zweite Auflage.
  • Thomas Haury: Antisemitismus von links. Nationalismus, kommunistische Ideologie und Antizionismus in der frühen DDR, Hamburg: Hamburger Edition 2002.
  • Moishe Postone: Antisemitismus und Nationalsozialismus [1979] (Volltext auf der Seite des ça ira Verlag)
  • Ingrid Strobl: Das unbegriffene Erbe. Bemerkungen zum Antisemitismus in der Linken, in: Dies.: Das Feld des Vergessens. Jüdischer Widerstand und deutsche „Vergangenheitsbewältigung“, Berlin/Amsterdam: ID-Archiv 1994, S. 102-118.
  • Leo Trotzki: Thermidor und Antisemitismus [1937] (Volltext auf marxists.org)

Vortrag und Diskussion: „Einführung in die Kritik des Antisemitismus“ mit Olaf Kistenmacher

Kommenden Donnerstag, den 4. Juli, geht unsere „Intros Reihe“ auch schon zu Ende. Den letzten Vortrag wird Olaf Kistenmacher zur Kritik des Antisemitismus halten.

Um die Judenfeindschaft im 20. und 21. Jahrhundert kritisieren zu können, ist es notwendig, zwischen verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus zu unterscheiden. Im späten 19. Jahrhundert entstand der moderne Antisemitismus. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelten die Nationalsozialisten auf dieser Basis ihre Weltanschauung eines eliminatorischen Antisemitismus. Bis 1945 war es noch üblich, dass sich Menschen freimütig zu ihrer Judenfeindschaft bekannten. Seit 1945 sind andere, verstecktere Formen der Judenfeindschaft verbreitet. Doch auch wenn selten offen gegen Jüdinnen und Juden gehetzt wird, spuken die Vorstellungen, dass „die Juden“ eine besondere Verbindung zum Geld und zum Kapital hätten und über eine besondere Macht verfügten, nach wie vor in den Köpfen herum. Am offensten zeigt sich eine Voreingenommenheit gegenüber „dem Jüdischen“ in Diskussionen über den Staat Israel. Bei der Entstehung dieses antizionistischen Antisemitismus spielte die politische Linke eine besondere Rolle.

Olaf Kistenmacher promovierte an der Universität Bremen zum Thema „Arbeit und „jüdisches Kapital“. Antisemitische Aussagen in der Tageszeitung der KPD, Die Rote Fahne, während der Weimarer Republik, 1918 bis 1933“. Er schreibt für die Konkret, Jungle World und Phase 2.

Aktuelle Veröffentlichung: Zum Zusammenhang von Antisemitismus und Antizionismus. Die Nahost-Berichterstattung der Tageszeitung der KPD, „Die Rote Fahne“, während der Weimarer Republik, in: Michael Nagel/Moshe Zimmermann (Hg.): Judenfeindschaft und Antisemitismus in der deutschen Presse über fünf Jahrhunderte/Five hundred Years of Jew-Hatred and Anti-Semitism in the German Press, Bremen: Edition Lumière 2013, Band 2, S. 591-608.

Der Vortrag findet wie immer um 20:00 im VEB Siegen (Marienborner Straße 16) statt.

„Einführung in die Kritik des Nationalismus“ zum Hören

Und noch eine Neuigkeit zur „Einführung in die Kritik des Nationalismus“. Wir haben den Vortrag aufgezeichnet und mittlerweile auch nachbearbeitet und online gestellt. Die Datei lässt sich streamen, als .mp3 herunterladen und der Player auch (wie ihr sehen könnt) in Blogs einbetten. Viel Spaß damit!

Literatur zur Einführung in die Kritik des Nationalismus

Es gibt mal wieder eine Literaturliste für euch. Diesmal zum Vortrag „Einführung in die Kritik des Nationalismus“.

Allgemein:

  • Anderson, Benedict (1996): Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzeptes, Frankfurt/Main-New York: Campus [2005].
  • Fischer, Gero/ Wölfingseder, Maria (Hrsg.) (1995): Biologismus, Rassismus, Nationalismus, Wien: Promedia.
  • Hobsbawm, Eric (1991): Nationen und Nationalismus. Mythos und Realität seit 1780, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung [2005].
  • Hobsbawm, Eric (1992): Nationalismus und Ethnizität. In: Neue Gesellschaft, Frankfurter Hefte. 39. Jg., Heft 7, S. 612 – 619.
  • Nairn, Tom/ Hobsbawm, Eric/ Debray, Régis/ Löwy, Michael (1978): Nationalismus und Marxismus. Anstoß zu einer notwendigen Debatte, Berlin: Rotbuch.
  • PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft (1992): Nationalismus am Ende des 20. Jahrhunderts. Heft 87, 22.Jg./1992. (Hier besonders die Beiträge von Nils Kadritzke und Ludi Lodovico – Vollversion online als pdf)

Ideologiekritische Ansätze:

  • Adorno, Theodor W. (1964): Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit (Vorlesungen 1964/65). Nachgelassene Schriften Bd. 13, Frankfurt [2001]. (11. und 12. Vorlesung)
  • Claussen, Detlev/ Negt, Oskar/ Werz, Michael (Hrsg.) (2000): Kritik des Ethnonationalismus, Hannoversche Schriften 2, Frankfurt/Main: Neue Kritik.
  • Demirović, Alex (1996): »Kritische Theorie und Nationalismus«. In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 1996/2, S. 223-234.
  • Zuckermann, Moshe (Hrsg.) (2002): Ethnizität, Moderne und Enttraditionalisierung, Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte, Bd. 30, Gerlingen 2002. (Hier besonders die Beiträge von Detlev Claussen, Wolfram Stender und Michael Werz).

Darüber hinaus möchten wir euch noch auf den Beitrag „Nationale Befreiung oder Befreiung von der Nation? Über Entstehung und Funktion, Widersprüche und Fallstricke des linken Nationalismus“ von Thorsten Mense in dem Heft „Maulwurfsarbeit II“ (Hier als .PDF zum Download) hinweisen.

Literatur zur Einführung in die materialistische Staatskritik

Auch zum Vortrag „Einführung in die materialistische Staatskritik“ wollen wir euch eine Liste mit weiterführender Literatur natürlich nicht vorenthalten:

  • Johannes Agnoli: Der Staat des Kapitals und weitere Schriften, Freiburg 1995.
  • Associazione delle talpe/Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen (Hrsg.): Staatsfragen. Einführungen in materialistische Staatskritik, Berlin 2009, Reihe rls papers. (Hier als kostenloser Download im PDF-Format!)
  • Heide Gerstenberger: Die subjektlose Gewalt. Zu Wesen und Entstehung bürgerlicher Staatsgewalt, Münster 1997.
  • Joachim Hirsch: Materialistische Staatstheorie. Transformationsprozesse des kapitalistischen Weltsystems, Hamburg 2005.
  • Eugen Paschukanis: Allgemeine Rechtslehre und Marxismus. Versuch einer Kritik der juristischen Grundbegriffe, Freiburg 2003.
  • Nicos Poulantzas: Staatstheorie. Hamburg 2002.

Vortrag und Diskussion: „Ein­füh­rung in die Kri­tik des Na­tio­na­lis­mus“ mit Thors­ten Mense (So­zio­lo­ge und frei­er Autor)

Wir machen nach letzter Woche diesen Donnerstag den 6. Juni direkt weiter mit der Reihe „Intros Siegen“, diese Woche mit Thors­ten Mense (So­zio­lo­ge und frei­er Autor für u.a. Kon­kret und Jung­le World) zum Thema „Einführung in die Kritik des Nationalismus“:

Obwohl die Möglichkeiten grenzüberschreitender Kommunikation und transnationaler sozialer Beziehungen noch nie so groß waren wie heute, ging diese Zunahme globaler Gleichzeitigkeit keineswegs mit einem Abbau national begrenzter Wahrnehmung einher. Die Vorstellung einer Welt aus Völkern und Nationen bestimmt auch weiterhin das Denken und die Politik. Dabei sind Nationen keineswegs naturgegebene Einheiten, sondern von den Menschen selber geschaffene soziale Konstruktionen, die gerade mal 200 Jahre alt sind. In seiner jungen Geschichte führte Nationalismus sowohl zur Befreiung als auch zu Massenmord, zur kollektiven Einforderung gleicher Rechte als auch zur Verweigerung derselben Rechte gegenüber anderen Kollektiven. Vor allem aber dient er als ideologische Grundlage für die Legitimation des Ausschlusses und der Gewalt gegenüber den „Anderen“; als Zwangskollektiv lässt die Nation dabei auch die „Eigenen“ nicht in Ruhe. Wie kommt es aber, dass die Menschen bis heute massenhaft bereit sind, für diese „kümmerlichen Einbildungen der jüngeren Geschichte“ (Benedict Anderson) zu töten, zu sterben oder sich sonstwie aufzuopfern?

In dem Vortrag wird die Entstehung und Entwicklung des Nationalismus nachgezeichnet und aufgezeigt, welche Funktionen er in der widersprüchlichen Moderne erfüllt. Darauf aufbauend soll eine Kritik entwickelt werden, die seinen vielfältigen Erscheinungsformen gerecht wird.

Der Vortrag findet, wie immmer, ab 20:00 im VEB Siegen (Marienborner Str. 16) statt.

Vortrag und Diskussion mit Mithu Sanyal – Das V-Wort: Vergewaltigung neu Verhandeln.

Sollte es nicht gerade bei dem Thema Vergewaltigung, das so nahe an der Wurzel unserer Gesellschaft ist, dass seine Bedrohung ebenso allgegenwärtig ist wie die Berichterstattung über diese Bedrohung, ein besonderes Bedürfnis nach Fakten (im Gegensatz zu Mythen) geben? Aber – und das ist eine der verblüffenden Erkenntnisse meiner Recherche – die Wirklichkeit von Vergewaltigung, und damit ist nicht mehr gemeint als ihre alltäglichen Ausformungen, hatte und hat nur wenig damit zu tun, was darüber vermittelt wird. Wenn wir die kulturellen Skripte, auf die wir bei der Integration und Kommunikation von Erfahrungen zutiefst angewiesen sind, verstehen und umschreiben wollen, müssen wir also unsere Grundüberzeugungen in Frage stellen. Über Vergewaltigung zu reden ist ein Problem, weil kaum ein anderes Wort so unmittelbar traumatisierend ist.

Kaum ein anderes Wort wirkt so unmittelbar traumatisierend, außer vielleicht Krebs. Deshalb ist es so außerordentlich schwierig, über Vergewaltigung zu sprechen, ohne mit jedem Satz eben diese Traumatisierungen anzutriggern. Umso wichtiger ist es, das Wissen, das wir über Vergewaltigung produzieren, und das wie alles Wissen eine Geschichte und eine Genese hat, gegen den Strich zu lesen, in der Hoffnung zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Diskussion ausdrücklich erwünscht!

Mithu Melanie Sanyal ist Doktora der Kulturwissenschaften, Journalistin bei verschiedenen Rundfunkanstalten und Printmedien und Autorin des Buches „Vulva – die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“.

Eine gemeinsame Veranstaltung von der Linken Liste „LiLi“ Siegen, dem Autonomen Frauenreferats „WoMen“, vom autonomen Referat für kritische Wissenschaft und politische Bildung „Links im Dialog“ und dem intellektuellen FotzenClub.

Vortrag und Diskussion mit Mithu Sanyal,
Donnerstag 13. Juni 2013 um 19Uhr im VEB.