Protest ja! Aber bitte realistisch bleiben!

Der rote Hörsaal wurde inzwischen geräumt nach dem Auftauchen von Riotcops von den BesetzerInnen verlassen; alle Distanzierungswut und Zurschaustellung der eigenen Unersthaftigkeit hat also nichts gebracht. Vorher hatten wir noch unsere Solidarität mit folgender Erklärung zum Ausdruck gebracht:

Solidaritätserklärung der Linken Liste Siegen:

Kommilitoninnen und Kommilitonen! Die Gründe, warum Protest auch in Siegen sinnvoll ist, brauchen wir hier nicht mehr zu wiederholen: Nicht nur, dass die Universität die von unseren Eltern hart erarbeiteten Studiengebühren hortet, anstatt flächendeckend Beamer und vollautomatische Prüfungssoftware installieren; die zunehmende Ökonomisierung gefährdet die angemessene Ausbildung von uns allen! Die Politik muss endlich verstehen, dass WIR die zukünftigen Leistungsträger für den Standort Deutschland darstellen – wir wollen ja auch weiterhin Exportweltmeister bleiben.
Grund zum Protest gibt es also genug. Aber bitte konstruktiv und gesittet! Wir, die Studierenden, sitzen ja schließlich mit allen anderen in einem Boot – mit den Professorinnen und Professoren, mit den HausmeisterInnen, mit dem Rektorat. Es kann und darf nicht sein, dass extremistische Elemente, Anarchisten und andere Gewaltverbrecher unser Anliegen diskreditieren: Wir fordern eine umfassende Distanzierung und Endsolidarisierung, wir unterstützen unser Rektorat bei der konsequenten Verfolgung der Vandalen und würden die Aussetzung einer Kopfprämie zur Ergreifung der Straftäter in der Höhe eines Semesterbeitrags begrüßen.
Lasst euch nichts einreden: Bildung ist keine Ware! Die Unis müssen von der Gesellschaft unabhängig bleiben. Schlimm genug, dass dort schon alles von den Multis und Bonzen bestimmt wird – das darf nicht auch noch an den Hochschulen so werden. Bildung war und ist, gerade in Deutschland, das ja keine Bodenschätze hat, höchstes Gut. Nur mit einer angemessen ausgebildeten Elite können wir im globalisierten Verdrängungswettbewerb bestehen. Stichwort: Teuro!

Im Ernst: Wir freuen uns, dass was passiert. Aber bitte bedenkt vielleicht: Wenn man mit Protest konkrete Ziele verbindet, die man auch erreichen will, muss man irgendwem auf die Füße treten.
Die Kritik an der „neoliberalen Umstrukturierung der Hochschule“ kann nicht ohne Beachtung des kapitalistischen Normalbetriebes des „Restes der Gesellschaft“ formuliert werden.

Solidarische Grüße, weiterhin viel Erfolg und Durchhaltevermögen!

Lili Siegen

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